Deutsche Führungskräfte sind für 105 Milliarden Verluste jedes Jahr verantwortlich

Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Gallup, schätzen viele Führungskräfte ihre eigene Leistung falsch ein. 97% der befragten Führungskräfte sind der Meinung, dass sie als Führungskraft gut bis sehr gut sind. Ganz anders sehen das die befragten Mitarbeiter, rund 70% machen Aufgrund von schlechten Erfahrungen mit Führungskräften nur noch «Dienst nach Vorschrift». Gerade mal 20% fühlen sich von ihrem Vorgesetzten motiviert und weitere 20% denken sogar wöchentlich darüber nach zu kündigen. Eines der Hauptprobleme scheint dabei die Angstkultur zu sein, denn mehr als 50% der Befragten Mitarbeiter getrauen sich nicht Probleme offen anzusprechen, Aufgrund von negativen Feedbacks aus der Vergangenheit, die sie mit ihren direkten Vorgesetzten gemacht haben.

Die unterschiedliche Wahrnehmung ist also enorm und verursacht nicht nur zwischenmenschliche Probleme, sondern auch gewaltige Kosten für die Unternehmen. Unmotivierte Mitarbeiter sind öfters krank, leisten bis zu 50% weniger als motivierte Mitarbeiter, es findet keine oder nur eine sehr geringe Innovation statt und die die Fluktuation, die enorme Kosten verursacht ist rund 70% höher als in Unternehmen mit motivierten Mitarbeitern.

Es wäre also jetzt einfach zu sagen, die Schuld liegt bei den Führungskräften.

Aber wie immer, wenn man sich einem Problem wirklich annimmt, sieht man schnell, dass es tiefer und vielschichtiger ist. Ich bin der Meinung, Führungskräfte haben nicht nur die Pflicht zu führen, sondern haben auch eine Vorbildfunktion und diese wird oft nicht wahrgenommen. Es reicht nicht aus, als Führungskraft einfach nur viel zu arbeiten, nach dem Motto, wenn ich früh da bin und spät gehe, kann ich das von meinen Mitarbeitern auch erwarten. Die Vorbildfunktion wird oftmals in einem der wichtigsten Bereiche, der Kommunikation sträflich vernachlässigt. Dies führt dazu, dass die Wahrnehmung auf Seiten der Mitarbeiter und auf Seiten der Führungskräfte komplett verschieden ist. Aus der Hirnforschung wissen wir heute, dass die Wahrheit eines jeden aus dessen Wahrnehmung abgeleitet wird und so entstehen völlig verschiedene Bilder, Ansichten und Meinungen zur Wahrheit in einem Unternehmen.

Bei meiner Arbeit mit Führungskräften in Unternehmen ist es meist meine erste Aufgabe, eine gewisse Synchronität der Wahrnehmung herzustellen. Das beginnt damit, der jeweils anderen Seite, die eigene Situation aufzuzeigen und genau hier kommt die Kommunikation wieder ins Spiel.

Die wichtigste Aufgabe überhaupt für unser Gehirn, ist es unser Überleben zu sichern.

Dies ist ein Urinstinkt, der heute noch genauso aktiv ist, wie vor 100’000 Jahren. Nur heute geht es nicht mehr darum, uns vor einem Säbelzahntiger in Sicherheit zu bringen, sondern unter Umständen vor unserem Chef, denn dieser hat die Macht, uns oder unseren Job für das Unternehmen obsolet zu machen und somit unsere Existenz zu gefährden. Das wecken des Überlebensinstinkt in unserem Gehirn, führt zu Stress und Stress führt dazu, dass alle Bereiche in unserem Gehirn, die für Kreativität und wertschöpfende Leistung zuständig sind, herunterfahren oder komplett deaktiviert werden. Eine clevere Kommunikationskultur, bewirkt, dass der Mitarbeiter sich in der Firma integriert fühlt und wenn er das tut, hat sein Gehirn keinen Grund, sich existentielle Sorgen zu machen. Dadurch setzt er in seinem ganzen Denken Ressourcen frei und kann automatisch viel bessere Leistungen erbringen. Dies gilt natürlich für die Führungskraft genauso, auch dessen Gehirnleistung ist bei übermässigem Stress stark reduziert, das zeigen unzählige Studien aus aller Welt ganz deutlich auf!
Intelligente Kommunikation von Führungskräften hilft hier beiden Seiten. Der Mitarbeiter wird integriert, fühlt sich motiviert und erbringt bessere Leistungen. Die Mitarbeiter Fluktuation ist geringer und die Führungskraft kann sich somit auf ein starkes und engagiertes Team verlassen.

Grundsätzlich geht es darum, dass Mitarbeiter und Führungskräfte ehrliches Verständnis für die jeweilige Situation des anderen aufbringen können und beide Seiten als Teil der Lösung sehen.

Das bedeutet nicht, dass die Führungskraft alles immer kommunizieren muss, aber eine gewisse Konstanz an Kommunikation führt dazu, dass der Mitarbeiter auch motiviert Arbeiten verrichtet, dessen Hintergrund sich ihm im Moment noch nicht erschliesst. Das nennt man dann Vertrauen und wenn sich das zwischen Führungskräften und Mitarbeitern bildet, dann hat ein Unternehmen die besten Voraussetzungen geschaffen für ein starkes und erfolgreiches Team, dass auch langfristig zusammenarbeitet.

Bleibt noch die Schuldfrage zu klären, Führungskraft oder Mitarbeiter?

Die Schuldfrage ist etwas, dass mir in vielen Unternehmen immer wieder begegnet und ich verstehe den Sinn dieser Frage nicht, denn dabei bleibt immer mindestens ein frustrierter Verlierer zurück. Ich zeige dann auf, dass es nicht um Schuld geht, sondern um Verantwortung und genau hier, nehme ich auch die Mitarbeiter in die Pflicht. Oft haben diese das Gefühl, die Verantwortung liege allein bei der Führungskraft. Das mag aus Sicht eines Verwaltungsrates oder der Aktionäre so sein, aber für den gesamten Erfolg eines Unternehmens, ist die Verantwortung des Mitarbeiters für sein Tun und Handeln genauso wichtig, wie jenes einer Führungskraft, denn die Mitarbeiter befinden sich schon rein zahlenmässig in einer grossen Mehrheit. Was immer ein Leader, eine Führungskraft auch tut, er ist darauf angewiesen, dass die Mehrheit auch Verantwortung übernimmt und ihm folgt, ansonsten haben die besten Strategien keine Chancen auf Erfolg.

Simon M.H. Hofer

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