Warum wir nicht mehr denken können

Die Reaktionen der Menschen sind jeweils sehr interessant, wenn ich mit meiner provokativen Aussage komme, dass wir nicht mehr denken können.
Einige schauen mich fragend an und schütteln den Kopf andere sagen sofort, du spinnst doch, was für ein Scheiss, ich denke andauernd nach!

Wir alle sind der Meinung, wir würden jeden Tag denken, was irgendwo auch stimmt, aber wie denken wir denn?
Ein Mensch hat täglich etwa 60’000 Gedanken, die durch seinen Kopf gehen. Das sind rund ein Gedanke pro Sekunde. Das ist aber ganz schön viel Betrieb da oben werden Sie jetzt anmerken und dann kommst Du und sagst uns, wir könnten nicht mehr denken. Ja das stimmt, beides übrigens, dass da ganz schon viel Betrieb ist und dass ich weiterhin behaupte, wir könnten nicht mehr denken.

Die meisten glauben, sie würden über vieles Nachdenken. In Wahrheit aber handeln sie nur und denken nicht. Auch das wälzen von bekannten Problemen im Kopf hat nichts mit Denken zu tun, sondern es ist ein automatisiertes Verhaltensmuster, dass wir uns meist über Jahre hin weg antrainiert haben und das nun in unserem Unterbewusstsein verankert ist.
Der Name Unterbewusst sagt eigentlich schon alles, die Handlung ist uns gar nicht mehr bewusst, wir tun es einfach, automatisch, oder eben unterbewusst.

Wenn Sie in ihr Auto steigen und losfahren, müssen Sie nicht überlegen, Gas, Bremse, Lenkrad, Blinken oder in den Rückspiegel schauen, das geht alles ohne das Sie auch nur einen Gedanken daran verschwenden. Dasselbe beim Fahrradfahren, einmal gelernt, läuft. Aber wie war bei der ersten Fahrstunde. Wer auf einem Schalter gelernt hatte, dem ging es vielleicht wie meiner Frau, die setzte sich ins Auto, schaute nach unten schaute und sagte, OH Gott, drei Pedale? beim heutigen Stand der Technik müsste sowas eigentlich mit nur einem funktionieren.

Dann fährt man zum ersten Mal los, Kupplung, Bremsen, Blinken, Rückspielgel, Innenspiegel, Achtung, ein Fussgänger, ui, das war knapp, sagen Sie und was der Fussgänger gesagt, bzw. Ihnen hinterhergerufen hat und welche Handzeichen er gemacht hat, werde ich jetzt hier nicht wiederholen. Mit der Zeit gewöhnt man sich an die Abläufe, die Handzeichen der Fussgänger, an denen man vorbeifährt, werden freundlicher und wenn man es gelernt hat, macht das Unterbewusstsein alles automatisch, ohne dass wir darüber nachdenken müssen.
So geht es mit sehr vielen Dingen in unserem Leben, wir verinnerlichen Sie und machen diese dann automatisch, ohne darüber nachzudenken und ohne uns dessen bewusst zu sein.

Aber kommen wir zu den 60’000 Gedanken zurück jeden Tag, 60’000 und der steht immer noch da und sagt, wir können nicht mehr denken!

Lassen Sie uns diese Zahl etwas genauer anschauen. Es gibt viel Studien, die diese 60’000 Gedanken untersucht haben, alle kommen mehr der weniger zum gleichen Schluss, rund 95% aller Gedanken sind dieselben, die wir gestern, vorgestern und vor-vor gestern schon hatten, sie wiederholen sich also dauernd. Ich denke, Sie stimmen mir zu, dass dieselben Gedanken immer wieder abzuspielen nicht unbedingt als grossartiges Denken ausgelegt werden kann. Dazu kommt noch, dass rund 85% der sich wiederholenden Gedanken negativ sind …….., 85%, das ist ganz schön viel, besonders wenn man bedenkt, dass eigentlich alle sich darüber einig sind, das positives Denken eine gute Sache ist, oder?
Oder ist jemand hier, der der Überzeugung ist, negatives Denken sei besser als positives Denken, ja, heben Sie bitte die Hände, wenn Sie der Meinung sind, dass negatives Denken besser sei als positives Denken!
Niemand, schön, wir sind uns einig und ich freue mich, über Ihre positive Grundeinstellung zum Leben. Allerdings, ich weiss jetzt nicht genau, wie ich es Ihnen sagen soll, aber die Wissenshaft hat hier eine ganz andere Meinung und sie kann diese sogar mit Zahlen Daten und Fakten belegen!
«Bis zu 85% unserer Gedanken negativ behaftet»

Jetzt bin ich ehrlich gesagt ein bisschen verwirrt, wir sind uns alle einig, positives Denken ist gut und trotzdem tun wir zu 85% das Gegenteil. Wie kommt das denn? Haben die Wissenschaftler keine Ahnung? Nun gut, nicht jeder Wissenschaftler schafft auch immer Wissen, aber diese Zahlen werden von sehr vielen Studien unterstützt und ob es nun schlussendlich 82% oder 89% sind, ist auch egal, es sind so oder so viel zu viele negative Gedanken, die uns jeden Tag begleiten.
Die Frage bleibt, warum tun wir genau das Gegenteil von dem was wir für gut halten und über das wir uns alle einig sind?
Könnte es vielleicht sein, dass wir gar nicht darüber nachdenken, was wir tun?
Könnte es sein, dass wir nur glauben zu denken, denn ich meine ganz ehrlich, würden wir wirklich mal darüber nachdenken, wir würden doch nicht 85% negative Gedanken produzieren und allen erzählen, wie toll positives Denken sei.
Die einzig logische Schlussfolgerung, wir denken nicht wirklich nach. Es ist wie beim Fussball, wenn der Gegner plötzlich jubelt, der Schiedsrichter pfeift und es 1:0 steht, aber keiner der gegnerischen Mannschaft ein Tor geschossen hat, dann muss es wohl ein Eigentor gewesen sein, diese Schlussfolgerung nennen wir dann Logik!

Ich werde Ihnen aber gerne erzählen, warum wir dies tun, wir sind gar nicht wirklich schuld, es liegt an unserem Unterbewusstsein, dass, Sie ahnen es, unbewusst all dies mit uns tut.
Ein vernünftig denkender Mensch würde jetzt sagen, dann ändere ich dies jetzt einfach und fange an positiv zu denken. Sie erinnern sich, ich hatte Ihnen schon gesagt, dass rund 95% unserer Gedanken aus dem Unterbewusstsein entstehen. Das heisst also, für alle jene die in der Schule in Mathematik aufgepasst haben, wieviel bleibt uns da noch für bewusstes Denken? Ja, weiss es jemand? 95% haben wir schon, was bleibt da noch übrig, ja genau, danke da drüben, die 9 Jahre Mathematik haben sich endlich ausgezahlt, 5%.
5%, das ist nicht viel, im Vergleich zu den 95% die unterbewusst ablaufen.
Sehen Sie und genau hier liegt das Problem mit dem Denken, wir haben nur 5% freie Ressourcen, um nachzudenken und was tun wir damit, denken wir damit wirklich nach?
Nein, tun wir nicht, wir schauen uns Dschungelcamp und Bachelor an, surfen im Internet, checken Facebook und Emails und dann gehen wir schlafen. Am Morgen stehen wir auf, greifen unser Smartphone, checken wieder FB und Emails, dann machen ein Foto von unserem frischen Kaffee und posten es auf Instagram UND Facebook, das ist ganz wichtig, es könnte ja sein, dass einer der 3’489 Freunde sonst diesen Post verpasst. Das Ganze versehen wir dann mit einem Kommentar wie, «ich fange erst nach dem dritten Kaffee so richtig an zu arbeiten».
Holger, einer deiner Facebook Freunde kommentiert dann ich auch sofort, ich auch, deshalb trinke aber nie mehr als zwei!
Steffen kontert dann mit einem dieser gaaaanz neuen Chuck Norris Sprüchen. Chuck Norris trinkt seinen Kaffee am liebsten schwarz, richtig schwarz, ………. und ohne Wasser.
Kurz vor Mittag bekommst Du dann von Tina noch diesen link per WhatsApp, mit diesem süssen Katzenvideo auf YouTube. Wenn Du schon mal da bist, schaust Du auch noch schnell, wie der Elefant mit einem Pinsel in seinem Rüssel ein tolles Bild malt und fragst dich ist das wohl echt, oder fake?
Nach ein paar Stunden hat der Post mit dem frischen Kaffee schon 147 likes, der Tag neigt sich dem Ende, und du denkst, phu, nur noch 40 Minuten bis zum Feierabend und jeee, heute Abend ist Bachelor im Programm!
Ist sowieso ein Phänomen mit diesen Sendungen, egal ob Bachelor, Dschungelcamp oder Promidinner, mit Promis, die keiner kennt. Niemand schaut das, hat aber enorme Einschaltquoten und läuft seit vielen Jahren im Fernsehen.
Also, wenn wir ehrlich sind, dann ist es mit unseren 5% bewusstem Denken nicht wirklich weit her. Bleibt noch die Frage, was machen die anderen Unbewussten 95% den ganzen Tag? Nun ein paar Fragen haben wir schon beantwortet, Autofahren, Fahrradfahren, kochen, putzen, telefonieren, zur Toilette gehen, ein und ausatmen, Nahrungsmittel verdauen usw.
Ich weiss, dass ist natürlich alles überzeichnet dargestellt, aber sind wir doch mal ein bisschen ehrlich, so weit weg ist es dann auch nicht von der Wahrheit, oder? Und was das Negative betrifft, ist ja auch nicht verwunderlich, die von uns konsumierten Nachrichten jeden Tag berichten zu 90% über negatives und nur zu 10% über informatives oder positives.
Es bleibt die Erkenntnis, dass wir unser Gehirn jeden Tag mit einer Unmenge von sinnlosen und sich wiederholenden Informationen belasten, was sehr schade ist, denn in unserem Gehirn liegt ein gewaltiges Potential, von dem die meisten Menschen keine Ahnung haben. Ich gehörte da auch dazu, ich hatte auch lange keinen blassen Schimmer, was für ein Wunderwerk der Natur da oben in mir vor sich hinschlummert. Als ich aber angefangen habe dies zu erkunden, haben sich in meinem Leben völlig neue mir unbekannte Dimensionen eröffnet und das steht jedem offen, der sich auf diese Erkundung begibt!

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